Sesam öffne dich - oder warum Sesam gerade durch die Medien geistert

Sesam (Sesamum indicum) ist eine Pflanze aus der Familie der Sesamgewächse, auch Lein- oder Flachsdotter genannt. Die kleinen und eher flachen Samen stammen von einer einjährigen, etwa 50 cm hohen Pflanze, die als weit verbreitete Kulturpflanze vermutlich eine der ersten gezielt angebauten Ölpflanzen war. 2013 wurden 4.2 Millionen Tonnen Sesam weltweit geerntet. Spitzenproduzenten sind Indien und China. Weitere Anbauländer sind der Sudan, Nigeria, Myanmar, Tansania, Ägypten und Griechenland.

Bild von Søren Brath auf Pixabay 

In den Schlagzeilen

In den vergangenen Wochen ist Sesam bei uns in die Schlagzeilen geraten. In den Körnern selber und in diversen Produkten daraus wurden Rückstände eines Pflanzenschutzmittels gefunden. Die Rückrufe begannen in Belgien, erreichten Deutschland und andere Teile Europas und häufen sich gerade (Dezember 2020) in der Schweiz. Betroffen sind vor allem folgende Produkte:

  • Sesamsamen
  • Sesamöl
  • Sesamcracker
  • Sesam-Salatdressing
  • Müesli mit Sesam-Zusätzen 
  • Salate
  • neu 18.12.2020: Lang haltbares Brot
  • weitere Produkte

In allen diesen Produkten wurden Rückstände des Pflanzenschutzmittels Ethylenoxid nachgewiesen.

Warum die Zutat zum Problem wird

Aktuell sind Produkte aus Indien betroffen und es wird vermutet, dass die Schiffscontainer für den Transport mit Ethylenoxid begast wurden. Das erklärt auch, warum konventionell angebaute und Bio-Produkte gleichermassen betroffen sind. 

 

Rückrufe von Lebensmitteln aufgrund von verunreinigtem Sesam sind aber keine Seltenheit. Beim Anbau von Sesam kommt die Chemikalie in einigen Ländern sogar noch als Pflanzenschutzmittel zum Einsatz. So gelangt Ethylenoxid in unsere Produkte.

 

In der Schweiz und der EU ist Ethylenoxid verboten. Es gelten strenge Höchstgehalte, die der kleinsten noch messbaren Menge entsprechen. Werden Rückstände von Ethylenoxid gemessen, darf das betreffende Produkt nicht mehr verkauft werden.

 

Rückstände von Ethylenoxid in Lebensmitteln können gesundheitsgefährdend sein. Ethylenoxid gilt als giftig und kann bei direktem Kontakt mit dem Gas Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und sogar Bewusstlosigkeit hervorrufen.

 

Der Stoff ist unter anderem als wahrscheinlich krebserregend, d.h. als karzinogen eingestuft. Karzinogene Substanzen und Stoffe können eine krebsauslösende Wirkung begünstigen, falls sie regelmässig und über einen längeren Zeitraum aufgenommen werden. Dabei können verschiedene Faktoren das Krebsrisiko erhöhen.

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Effiziente Analysemethode

Ethylenoxid ist eine sehr reaktive Verbindung. In verarbeiteten Lebensmitteln liegt es meist nur in geringen Mengen als Ethylenoxid und hauptsächlich in Form seines Hauptabbauprodukts 2-Chlorethanol, das auch gesundheitliche Risiken birgt, vor. Der Nachweis von Ethylenoxid in Sesam erfolgt also meist über das Abbauprodukt 2-Chlorethanol.  

Was können Konsumentinnen und Konsumenten tun?

Aktuell empfiehlt in der Schweiz das BLV Produkte, die von einem Rückruf oder einer öffentlichen Warnung betroffen sind, an Verkaufsstellen zurückzubringen oder selber zu entsorgen. Am zeitnahesten informiert das BLV derzeit über Twitter oder über seine Website. Alternativ können sich Konsumentinnen und Konsumenten auch direkt bei den Verkaufsstellen informieren.

 

Wichtig ist dabei ist die Chargennummer der betroffenen Produkte. Produkte mit anderen Haltbarkeitsdaten oder Chargennummern sind nach Angaben des BLV unbedenklich. Derzeit werden alle neuen Lieferungen von Sesamsamen aus Indien vorsorglich gesperrt und erst dann freigegeben, wenn die Analyse zeigt, dass sie unbelastet sind. Auch die EU hat hierzu ihre Kontrollen verstärkt.

 

Für regelmässige Informationen ist auch auch die neu lancierte «RecallSwiss»-App des BLV hilfreich. Ab sofort werden Rückrufe von gefährlichen Produkten über diese App publiziert und Nutzerinnen und Nutzer können sich so über öffentliche Warnungen, Produktrückrufe und Sicherheitswarnungen der Behörden informieren.

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Sesam – in unserer Küche

Während bei uns die hellen Sesamsamen sicher am bekanntesten sind, gibt es auch noch den braunen und den schwarzen Sesam.

 

Sesam wird vor allem als Zutat von Backwaren und Snacks ebenso eingesetzt wie als Würzmittel. Die in orientalischen Ländern geschätzte Würzpaste "Tahini" (auch "Tahin" genannt) wird aus purem Sesam hergestellt und ist seit einigen Jahren auch bei uns erhältlich. Das Sesammus ist gesalzen oder ungesalzen erhältlich und kann vielfältig verwendet werden. Oft steckt Sesam auch in Backwaren. Die kleinen Körner haben aber überhaupt keinen Grund, sich zu verstecken, sind sie doch reich an hochwertigen Nährstoffen. Für Vegetarier und Veganer sind Sesamsamen besonders interessant, da sie sehr besonders viel Eisen und Kalzium enthalten. Darüber hinaus versorgt uns Sesam mit verschiedenen Aminosäuren, den B-Vitaminen B1, B2 und B6, Vitamin E und Magnesium, Phosphor und Kalium. Schwarzer Sesam, den die meisten von uns vermutlich von der äusseren Hülle von Sushi kennen, enthält in der Regel von den meisten Nährstoffen etwas mehr als der weisse Sesam. Sesam enthält ausserdem viele Proteine und Nahrungsfasern, dadurch sättigt er gut und anhaltend.

 

Alles in allem kann Sesam unsere Ernährung also sehr bereichern und Vielfalt bieten, auch wenn es sich um kein heimisches Produkt handelt. Im Moment ist aufgrund der Schadstoffgehalte einfach ein bisschen Vorsicht geboten. Wer sich gründlich informiert, hat aber nichts zu befürchten.

Bild von Tim-Luca Lagmöller auf Unsplash

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