Kochboxen

Kochsupport für Spontanentschlossene

Die Idee von attraktiv gemachten Kochboxen begleitet mich schon so lange - und ganz plötzlich tut sich was auf dem Schweizer Lebensmittelmarkt. Dabei sind die Grundvoraussetzungen für den Erfolg eines solchen Produktes ja nicht so besonders. Gekocht wird an Werktagen nur in jeder zweiten Schweizer Küche. Das zeigt die erste Erhebung des Bundes zum Ernährungsverhalten menuCH.

Wenig überraschend möchten sich laut Food Report 2016 des GDI Menschen immer gesünder und vielfältiger ernähren, dabei aber auch immer weniger Zeit aufwenden. Diese Anforderungen unter eine Kochmütze zu bringen, ist nicht immer ganz einfach. Höchste Zeit also, den selbstgekochten Gerichten mehr Bedeutung zu geben und das Kochen zu Hause einfacher zu machen. 

 

Zeitnot und Bequemlichkeit

Nichtsdestotrotz erliegen wir aus Gründen der Bequemlichkeit immer wieder den gleichen „Kochalltags-Fallen“. Das beginnt schon beim Einkaufen. Ohne eine konkrete Rezeptidee im Kopf und mit wenig Zeit gerät der Rundgang durch den Supermarkt zu einem Spiessrutenlauf: eine riesige Auswahl an Früchten und Gemüsen, die aber noch gewaschen, geschält und geschnitten werden müssen. Oder bereits vorverpackte Milchprodukte, Käsestücke, Fleisch, Fisch, Reis oder Nudelmengen, die selten die benötigte Portionsgrösse aufweisen. 

Kein Wunder scheuen wir den Aufwand - und landen dann in der Abteilung mit den Convenience-Produkten. Den Rest erledigen Backofen und Mikrowelle. Hier können uns Kochboxen Abhilfe verschaffen, enthalten sie doch bis auf wenige Zutaten wie Salz, Pfeffer oder Öl alle Zutaten für ein oder mehrere Gerichte. Schritt-für-Schritt-Kochanleitung inclusive. Da die Boxen oder auch Tüten alle Zutaten vorportioniert enthalten, fallen auch weniger Abfälle an und wir leisten gleichzeitig unseren Beitrag zum Thema Foodwaste.

Es bewegt sich was.....

Während sich die Schweizer Kochboxen-Versender wie z.B. Hello Fresh und Juts bisher aufs klassische Versandgeschäft konzentrieren, kommt aber seit ein paar Tagen Bewegung in den Schweizer Markt.

 

Migros verkauft über sein neues Foodportal Migusto seit Ende August und bis November in

sechs ausgewählten Migros-Filialen in der Deutschschweiz sogenannte Foodboxen - und dies mit wöchentlich wechselnden Inhalten und für eine Pilotphase von 12 Wochen. Jede Box enthält sämtliche Zutaten für ein spezielles Migusto-Gericht für zwei Personen und kostet zwischen 11,25 und 16,50 Franken pro Portion. Je nach Rezept bekommen wir dafür frisches Gemüse oder Früchte, Fleisch oder Fisch, sowie die erforderlichen Gewürze.

 

Den vergleichsweise hohen Preis pro Portion, z.B. für ein Gemüserisotto mit Burratina oder auch Fettuccine mit gebackenem Rohschinken und Oliven, rechtfertigt Migros mit der aufwändigen Konfektionierung der Boxen in Handarbeit.

Neben Migros ist auch die Coop-Tochter Betty Bossi ins Geschäft mit den Kochboxen eingestiegen. Unter dem Label «Betty bringts» läuft seit dem 28. August bis zum 9. September und beinahe unbemerkt in der Stadt Zürich ein Pilotversuch. Als registrierter Nutzer bekomme ich jeden Tag bis um 12:00 Uhr ein Gericht auf mein Smartphone geschickt und kann bestellen, wenn es mir zusagt. In diesem Fall werden die frischen und gekühlten Zutaten bis spätestens 18 Uhr heute Abend zu mir nach Hause geliefert. Aber vorläufig eben nur in der Stadt Zürich.

 

Für Preise zwischen 12,50 und 17,50 Sfr pro Portion serviert  «Betty bringts» dann Pizza Verde, Poulet-Cordon-Bleu, Kürbis-Pilz-Spaghetti oder auch Saltimbocca auf Kräuterhartweizen. Die zugehörige Website wirkt übersichtlich, um nicht zu sagen sehr provisorisch. Viel Information gibt`s hier nicht. Aber ist ja vorläufig auch nur ein Pilot.

 

Wenn es mir das Tagesangebot nicht zusagt, dann eben nicht. Ein Abo ist nicht erforderlich, was ja auch Sinn macht. Denn noch möchten wir ja gerne selbst entscheiden, was wir kochen und essen. Inspirieren lassen wir uns aber gerne!

Spontanentscheid oder Abonnement?

Und was das Abo betrifft: weil aller guten Dinge meist drei sind, ist auch noch ein dritter Mitbewerber auf dem Kochbox-Markt Schweiz aufgetaucht.

Lidl Schweiz verkauft in der Schweiz seit dem 30. August Kochboxen, die online bestellt und dann mit der Schweizer Post nach Hause geliefert werden.

Diese sogenannte Menü-Box enthält alle erforderlichen Zutaten für gleich drei Gerichte. Die Vegi-Box mit drei Menüs pro Woche kostet umgerechnet 10,50 Sfr. pro Portion, die Variante mit Fleisch gibt es für 12 Sfr. pro Portion. Einen gravierenden Nachteil sehe ich darin, dass ich mich schon in der Vorwoche festlegen muss, was ich in der Folgewoche an drei Abenden kochen werde.

Laut Lidl kann das Angebot aber jederzeit unterbrochen werden. Dafür ist der Preis angeblich «konkurrenzlos». Der Gesamtanteil der verwendeten Lebensmittel aus Schweizer Produktion soll je nach Rezept bei 80 Prozent liegen. Bei Migros und Betty Bossi gibt`s dazu bisher keine Angaben.

Offenbar hat Lidl eigens für die Menü-Box eine Ernährungswissenschaftlerin und einen Chefkoch mit eidgenössischem Fachausweis eingestellt, damit für Abwechslung in der Küche gesorgt ist. Ein vielversprechender Ansatz. Gemeinsam mit den beiden Experten zaubert hier auch noch René Schudel ein bisschen mehr Swissness in die Kochtöpfe.

Fazit von Vitamintexte:

 

Kochboxen eignen sich prima, um den Horizont am heimischen Herd ein bisschen zu erweitern, vor allem aber sind sie ein kulinarischer Kontrapunkt zur fiesen Folienaufreisskonkurrenz. Für Leute, die eh` regelmässig und gerne kochen, bietet das aktuelle Angebot nicht viel Neues. Rezept-Highlights habe ich bisher keine entdecken können.

 

Neu ist jedoch das Angebot im Supermarkt selber von Migusto oder der Sponti-Lieferservice von «Betty bringts».  Dabei lag es eigentlich nahe, auch mal das Angebot im Laden zu testen. Auch um die Kunden anzusprechen, die keine Lust auf ein Abo oder keine Gelegenheit haben, die Boxen regelmässig Zuhause in Empfang zu nehmen. Und die ausser einem Abendessen vielleicht doch auch noch ein oder zwei andere Artikel aus dem Sortiment benötigen, wie z.B. die zugehörige Flasche Wein oder ein Dessert. Stichwort: Cross-Selling! Mein Favorit ist grundsätzlich daher ganz klar die Ladenvariante - wenn sie aktuell nur nicht so weit von meinem Wohnort entfernt wäre.

 

Weniger Foodwaste, dafür mehr Verpackung

Vor allem für die Liefer-Varianten gilt: sie sind vollgestopft mit Verpackung. Die Sachen müssen ja auch gekühlt werden. Was damit passiert, ist unklar, und ich finde keine weitere Information. Müll entsorgen und recyclen ist ja auch Arbeit - und die bleibt beim Kunde hängen. Ein Mehrweg-Verpackungskonzept könnte hier Abhilfe schaffen und das Angebot - nicht nur ökologisch - attraktiver machen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Sie (Donnerstag, 04 Januar 2018 02:15)

    Juts.ch hat ein Recycling-System. In regelmäßigen Abständen werden die Kühlelemente zuhause kostenlos abgeholt. Eine wiederverwertbare Verpackung für die Lieferung wäre der zweite Schritt, setzt aber ein Abo voraus..